Sep 17, 2025
Quest One produziert Elektrolyseure in Serienfertigung in Deutschland – durch die Zusammenarbeit zweier Standorte in Augsburg und Hamburg. Das Unternehmen verfolgt die Mission, grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab mithilfe innovativer Technologien und Produkte verfügbar zu machen und spielt damit eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Wasserstoffwirtschaft.
Die Serienproduktion von Hochleistungs-Stacks und Elektrolyseuren ist für diese Mission von zentraler Bedeutung – und stellt sowohl technologische als auch industrielle Herausforderungen dar. Unser Gigahub in Hamburg konzentriert sich auf Forschung, Entwicklung und die automatisierte Produktion von Elektrolyseur-Stacks. Am Standort Augsburg werden diese Stacks montiert, integriert und abschließend getestet, um zu vollständigen Elektrolyseuren zu werden.
Quest One spezialisiert sich auf die PEM-Elektrolyse, die auf der Proton Exchange Membrane (PEM)-Technologie basiert. Sie ist eine der wichtigsten Methoden zur industriellen Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien. Als Elektrolyseurhersteller will Quest One mit seinen innovativen Elektrolyseuren dazu beitragen, bis 2050 ein Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen zu vermeiden.
Die beiden Standorte sind eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam die industrielle Wertschöpfungskette von Quest One. Sie arbeiten auch intensiv in Bereichen wie Auftragsmanagement, Logistik, technischen Feedbackschleifen zum Design for Manufacturing, Prototypentests und Entwicklungsprojekten zusammen. Was die Teams in Hamburg und Augsburg – über das 1%-Ziel hinaus – verbindet, ist eine gemeinsame industrielle Denkweise, geprägt durch die Hintergründe vieler Mitarbeiter aus der Automobil- und Anlagenbaubranche. Das bedeutet, dass Quest One Erfahrungen aus der Massenproduktion, Prozessoptimierung und dem Qualitätsmanagement direkt in die Entwicklung und Fertigung seiner Elektrolyseure einfließen lässt.
Tradition trifft Innovation: Fokus auf den Produktionsstandort Augsburg
Augsburg in Bayern ist sowohl Hauptsitz als auch größter Standort von Quest One. Die moderne Arbeits-, Entwicklungs- und Produktionsumgebung erstreckt sich über mehrere Gebäude. Auf rund 10.000 Quadratmetern Produktionsfläche treffen historische Fabrikhallen auf industrielle Effizienz und technologische Skalierbarkeit. Der Fokus liegt stets darauf, innovative Elektrolyseure in exzellenter Qualität und mit maximaler Flexibilität im industriellen Maßstab zu produzieren.
In Augsburg erfolgen die Endmontage und Systemintegration der Elektrolyseure, wobei die in Hamburg produzierten Stacks integriert werden. Die Fertigung durchläuft mehrere klar definierte Prozessstufen: Vormontage, Vorbaugruppenmontage, Modulmontage, Endmontage und Prüfung.
Strukturierte Produktion für dynamische Märkte
Standortleiter Claudio Bravo Granadino greift auf bewährte Konzepte aus der Automobilindustrie, wie Lean Manufacturing und One-Piece-Flow, zurück und adaptiert sie an die Bedürfnisse der Elektrolyseindustrie. Sein Ziel ist es, einen Standort aufzubauen, der mit dem Markt wachsen kann – technisch, personell und strukturell.
„Unsere Aufgabe ist es, Elektrolyseure pünktlich, in Top-Qualität und im richtigen Volumen zu liefern. Dafür setzen wir auf ein flexibles, modulares Produktionssystem und eine Just-in-Time-Lieferkette – so können wir jederzeit von unserem 1MW-Elektrolyseur ME450 bis zu unserer Großanlage MHP skalieren. Wir bauen Strukturen, die nicht auf starren Linien basieren, sondern auf dem, was der Markt von uns verlangt“, so Bravo.
Die Produktionsphilosophie in Augsburg setzt nicht auf Vollautomatisierung. Stattdessen dominieren manuell unterstützte, digital abgesicherte Prozesse, ergänzt durch teilautomatisierte Montagehilfen und eine datengestützte Produktionssteuerung. Diese Art der Produktion ermöglicht eine schnelle Reaktion auf technische Weiterentwicklungen ohne kostspielige Anpassungen vollautomatisierter Systeme und erlaubt eine kurzfristige Anpassung der Produktionskapazitäten an Marktentwicklungen. Durch die Erweiterung auf einen Zweischichtbetrieb könnte der Standort ohne grundlegende strukturelle Änderungen potenziell bis zu 400 Megawatt jährlich liefern.
Modulmontage als Kernprozess in Augsburg
Der PEM-Elektrolyseur von Quest One besteht aus drei Hauptmodulen, die am Standort Augsburg vormontiert und verbaut werden:
- Stack-Modul: Beherbergt den Stack und seine Peripherie – hier findet der Elektrolyseprozess statt
- Ventil-Modul: Steuereinheit mit allen sicherheitsrelevanten Anschlüssen und Ventilen
- Wasser-Modul: Komponente für die interne Wasseraufbereitung und -verwaltung
Jeder Elektrolyseur enthält mehr als 1.500 Einzelkomponenten. Bei der Endmontage werden die vormontierten Module zusammen mit weiteren Schlüsselkomponenten wie Ionenaustauschern, Gleichrichtern und der Stromversorgung in einen vorbereiteten Container integriert. Anschließend wird das System getestet, bevor die fertige Einheit ausgeliefert wird.
Qualitätssicherung mit vier Kontrollpunkten
Die Produktqualität wird durch ein mehrstufiges Prüfkonzept sichergestellt:
- Qualitätsprüfung aller zugelieferten Komponenten
- Modulprüfung nach der Modulmontage
- Systemprüfung nach der Endmontage
- End-of-Line-Test inklusive Dichtheits- und Funktionsprüfungen
Im sogenannten Inhouse Test Cold wird jede Einheit zwei Wochen lang in einer internen Testumgebung betrieben. Digitale Arbeitsassistenzsysteme und Datenanalysen gewährleisten eine lückenlose Rückverfolgbarkeit aller verbauten Komponenten. Ziel ist eine Null-Fehler-Quote.
„Unser Standard ist klar definiert: Kein fehlerhaftes System darf unser Werk verlassen.“
— Claudio Bravo Granadino, Standortleiter Quest One Augsburg & Vice President Operations Elektrolyseur
Integration von Entwicklung, Produktion und Test
Der Standort beherbergt nicht nur Produktions- und Logistikteams, sondern auch Entwicklungsingenieure, Testspezialisten und das Ramp-up-Team für Prototypenbau und neue Fertigungsprojekte. Ihre enge Zusammenarbeit ermöglicht die schnelle Integration neuer Produktgenerationen, wie der kommenden 10-Megawatt MHP (Modular Hydrogen Platform). Parallel dazu entsteht auf dem benachbarten Everllence (ehemals MAN Energy Solutions) Gelände eine Demonstrationsanlage der MHP mit fünf Megawatt Leistung. Sie dient als wichtige Testumgebung für die MHP von Quest One, die für industrielle und Großprojektanwendungen konzipiert ist.
Perspektiven für das Wasserstoff-Scale-up
Augsburg ist auf Wachstum vorbereitet – technologisch, organisatorisch und personell. Mit der Implementierung des „Produktionssystems als Wettbewerbsvorteil“ will das Team dem Markthochlauf skalierbar begegnen, ohne Kompromisse bei Qualität oder Effizienz einzugehen.
Für die Personalentwicklung setzt das Team auf gemeinsame Werte und einen gesunden Generationenmix, der neue Innovationen ermöglicht. In enger Zusammenarbeit mit Universitäten, Fraunhofer-Instituten und weiteren Bildungseinrichtungen entwickelt der Standort seine Humanressourcen kontinuierlich weiter. Die Kombination aus beruflicher Ausbildung, Praktika, akademischer Zusammenarbeit und gezielter Weiterqualifizierung der bestehenden Belegschaft sichert eine nachhaltige Talententwicklung für grüne Zukunftstechnologien.


